Herzlich willkommen auf meinem Blog! Seit Februar gibt es hier regelmäßig Berichte, Eindrücke und Fotos über mein Leben in Palästina und meinen Einsatz als Ökumenische Begleiterin.

Wenn du mehr über das EAPPI-Programm wissen willst, dann klicke hier: www.eappi.org

Das Misttor, eines der 8 Stadttore der Altstadtmauer in Jerusalem wurde jüngst renoviert.

Hier ein “Vorher- Foto” (legal aus wikipedia kopiert)

Die Renovierungsarbeiten fanden hinter einer Verkleidung statt. Das kam dabei raus. Fällt dir der kleine aber entscheidende Unterschied auf?

Jerusalem hat eine lange jüdische Geschichte. Manchmal wird der Geschichte auch etwas nachgeholfen.

Hier ist der 8. Rundbrief. Es ist viel passiert in den letzten Tagen. Das Thema ist Gewalt, also keine angenehme Nachtlektüre.

8. Rundbrief – 24. Mai 2012

Während andere Kinder/Leute Muscheln oder Steine gesammelt haben, hat mich schon immer Holz fasziniert. In meinem Garten gab es keine hübschen Steine, sondern hübsche Holzstücke.

Hier in Palästina gibt es unzählige Olivenbäume. Auf meinen täglichen Spaziergängen habe ich einige fotografiert.

Ein jeder von ihnen scheint eine Persönlichkeit zu sein.

Manche haben eine gespaltene Persönlichkeit…

Die offiziellen 3 Monate im EAPPI Programm sind vorbei. 7 tapfere Menschen bleiben 2 Monate länger und decken die Sommerpause ab. Meistens sind wir in Yanoun, zum einen weil es hier so schön ist, zum anderen weil es für Yanoun sehr wichtig ist, dass Internationale ständig präsent sind.

hinten: Simon aus der Schweiz, Emmet aus Irland, Steve aus England

vorne: Katarina und Katarina aus Schweden, Helene aus Norwegen und ich

 

… und hier gibt´s ihn zum download

7. Rundbrief – 20. Mai 2012

Hebron ist die zweitheiligste Stadt der Juden. Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea sind hier begraben. Doch Hebron ist eine palästinänsische Stadt, mitten im Westjordanland.

Es gibt einige “tapfere” Siedler, die zurückgekehrt sind und nun mitten im Herzen der Stadt wohnen. Ca. 500 Siedler leben in der Stadtmitte. Das geht natürlich nicht gut. Deshalb werden sie von 1500 Soldaten bewacht.

Alle andern Israelis können bei einer Stadtführung die Schönheit der Altstadt  und natürlich die jüdische Geschichte entdecken. Hier ein paar Impressionen “von außen”.

Zwichenstopp auf einem palästinensischen SpielplatzZwischenstopp auf dem Spielplatz, auf dem kurz vorher noch palästinensche Kinder gespielt haben.

Die Besucher werden gut bewacht:

Im Suq laufen die Geschäfte während der Führung bestens!!

Ich hatte auch eine kleine Stadtführung mit meinen EAPPI Kollegen. Die verlief anders. Dabei habe ich neben der Schönheit der Altstadt auch dieses Graffiti entdeckt:

Abraham würde sich im Grab umdrehen!

Hier gibt´s den 6.Rundbrief – 23. April 2012 zum download!

Mahmud ist ein hübscher Junge, 17 Jahre alt, 11 Klasse. Er ist ein ehrgeiziger Schüler. In den letzten Tagen war es sehr heiß, so ist er zum Lernen nach draußen gegangen. Er wohnt am Ortsrand, Felder und Olivenbaumwiesen schließen sich an die letzten Häuser an. Unter einem Baum mit Blick übers Tal und auf die Siedlung auf dem Hügel gegenüber ist sein Lieblingsplatz. Die Landschaft ist wunderschön, die Siedlung nicht. Ich habe bereits über die Siedlungen Eli und Shilo berichtet, die von Hunden bewacht werden. Auch letzten Montag saß Mahmud mit seinen Schulbüchern unter dem Baum als plötzlich Soldaten auftauchen. Sie beginnen ihm Fragen zu stellen. Er versteht nichts, sie sprechen Hebräisch. Immer wieder sagt er auf Arabisch, dass er sie nicht versteht. Die Soldaten werden wütend, weil er nicht auf ihre Fragen antwortet. Sie fesseln ihm die Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken. Sie verbinden ihm die Augen und befördern ihn in ihren Jeep. Im Jeep stellen sie ihm weitere Fragen. Plötzlich spricht einer der Soldaten Arabisch. „Was hast du die letzten Tage hier gemacht? Das ist eine Militärzone. Warum hast du immer auf in eine Landkarte geschaut?“ Sie verdächtigen ihn, dass er einen Terroranschlag plant.
Warum muss das so ablaufen? Sie haben doch gesehen, dass es Schulbücher sind, die er bei sich hat. Die Soldaten wissen genau, dass es keine Militärzone ist. Sondern Land, das zum Dorf gehört.
Nach einiger Zeitund vielen (unnützen?) Fragen lassen sie ihn frei. Seine großen Brüder warten auf ihn in einiger Entfernung, näher heran an den Jeep durften sie nicht.
Ich frage ihn zum Abschluss, wo er zukünftig lernen wird. Seine Antwort kommt prompt: „ Na, da unten, unter dem Baum!“

Mahmud und unser Fahrer/Übersetzer/Freund Ghassan

Mahmud und unser Fahrer/Übersetzer/Freund Ghassan

Kurz vor meiner Abreise stand ich in Stuttgart im Buchladen und habe versucht ein passendes Buch für die Zeit in Palästina zu finden. Da entdeckte ich “Aller Anfang” von Meir Shalev. Es geht um die “ersten Male” in der Bibel: das erste Lachen, der erste Traum, die erste Liebe (ist übrigens Abraham und sein Sohn Isaak, laut Shalevs Definition: wenn das Wort das erste Mal in der Bibel auftaucht).

Neben einem interessanten Klappentext war der Gedanke, dass sich jüdische Literatur bei der Einreise sicherlich gut macht, mit ein Kaufgrund. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass Shalev ein “Linker” ist, der die israelische Politik scharfzüngig kritisiert: “Israel kann nicht zu Hause die Demokratie und im Hinterhof die Apartheid pflegen”.

Doch zurück zum Buch. Shalev sieht sich die Personen des alten Testaments genau an, blickt hinter die abgewetzten Bilder, die wir von großen König David, dem eingebildeten Josef, der Urmutter Sara,… haben. Seine Analysen und Interpretationen sind klug, es schimmert sein Wissen der Psychologie durch, wenn er sich die Beweggründe für Verhalten und Haltungen ansieht. Mein Bibelverständnis hat er sicherlich beeinflusst und ich werde das Buch auch wieder mit nach Hause nehmen. Doch diesmal nicht in der Handtasche um es demonstrativ  hervor zu kruschteln wenn ich meinen Pass zeigen muss.

Meir Shalev: Aller Anfang, Diogenes Verlag 2011

 
http://www.nzz.ch/2007/06/04/fe/articleF7QFT.html:

Meir Shalev wurde 1948, dem Gründungsjahr Israels geboren. „Wir sind beide nicht mehr jung, aber insgesamt bin ich wesentlich besser dran. Sicher, ich habe Falten im Gesicht und weniger Haare, und wegen der Kriegsverletzung hinke ich ein wenig. Aber Israel hört nicht mehr, sieht nicht gut, hat Mühe, zu begreifen und zu verstehen. Und was am schlimmsten ist: Israel will sich der Operation nicht unterziehen, die es gesunden lassen könnte.

Beim Besuch des Ministerpräsidenten. Jeder tut, was er kann!

Zusammen mit dem Rundbrief Nummer 5 zwei Fotos aus dem Alltag in Yanoun.

5. Rundbrief – 06. April 2012

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