Kurz vor meiner Abreise stand ich in Stuttgart im Buchladen und habe versucht ein passendes Buch für die Zeit in Palästina zu finden. Da entdeckte ich “Aller Anfang” von Meir Shalev. Es geht um die “ersten Male” in der Bibel: das erste Lachen, der erste Traum, die erste Liebe (ist übrigens Abraham und sein Sohn Isaak, laut Shalevs Definition: wenn das Wort das erste Mal in der Bibel auftaucht).
Neben einem interessanten Klappentext war der Gedanke, dass sich jüdische Literatur bei der Einreise sicherlich gut macht, mit ein Kaufgrund. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass Shalev ein “Linker” ist, der die israelische Politik scharfzüngig kritisiert: “Israel kann nicht zu Hause die Demokratie und im Hinterhof die Apartheid pflegen”.
Doch zurück zum Buch. Shalev sieht sich die Personen des alten Testaments genau an, blickt hinter die abgewetzten Bilder, die wir von großen König David, dem eingebildeten Josef, der Urmutter Sara,… haben. Seine Analysen und Interpretationen sind klug, es schimmert sein Wissen der Psychologie durch, wenn er sich die Beweggründe für Verhalten und Haltungen ansieht. Mein Bibelverständnis hat er sicherlich beeinflusst und ich werde das Buch auch wieder mit nach Hause nehmen. Doch diesmal nicht in der Handtasche um es demonstrativ hervor zu kruschteln wenn ich meinen Pass zeigen muss.
Meir Shalev: Aller Anfang, Diogenes Verlag 2011
http://www.nzz.ch/2007/06/04/fe/articleF7QFT.html:
Meir Shalev wurde 1948, dem Gründungsjahr Israels geboren. „Wir sind beide nicht mehr jung, aber insgesamt bin ich wesentlich besser dran. Sicher, ich habe Falten im Gesicht und weniger Haare, und wegen der Kriegsverletzung hinke ich ein wenig. Aber Israel hört nicht mehr, sieht nicht gut, hat Mühe, zu begreifen und zu verstehen. Und was am schlimmsten ist: Israel will sich der Operation nicht unterziehen, die es gesunden lassen könnte.“

Beim Besuch des Ministerpräsidenten. Jeder tut, was er kann!